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#allesdichtmachen: Ein kommunikativer Totalschaden23. Apr. 14:52

#allesdichtmachen: Ein kommunikativer Totalschaden

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Schauspieler kritisieren in Videos die Coronapolitik, ernten scharfe Kritik und werden vereinnahmt. Am Ende steht der Austausch von Shit-Stürmen. Künstler gehen auf die Barrikaden? Da greift gleich einmal der „eh klar“-Reflex: Die wollen wieder irgendwas Gutmenschiges oder Selbstgerechtes. Die Reaktion zerfällt in die üblichen Lager („recht haben sie“ versus „Künstler blöd“). Ein Debatterl folgt und wird abgehakt. Diesmal aber nicht. Diesmal, mit der Online-Aktion #allesdichtmachen, haben vier Dutzend der bekanntesten Schauspieler und -innen unserer Breiten einen kommunikativen Totalschaden erlebt. Sie alle haben Videos aufgenommen und online gestellt, deren Intention klar und deren Umsetzung überraschend ist. Sie wollen, versichern die, die sich im Gewittersturm nach der Aktion noch öffentlich äußerten, auf die Wichtigkeit von Kunst und Kultur auch in der Pandemie hinweisen. Das Vehikel waren zynisch-ironische, überspitzte Kurzvideos – man denke an die Humorstrategie von Lisa Eckhart –, in denen sie die Lockdowns und andere Pandemie-Maßnahmen mit satirischer Überspitzung befürworten. Manuel Rubey, Nicholas Ofczarek, Nina Proll, Roland Düringer – und aus Deutschland Jan Josef Liefers. Ulrich Tukur, Ulrike Folkerts waren dabei. Und sie alle haben am Freitag wohl den Hut im Onlinesturm festhalten müssen. Denn die Reaktion war gewaltig – und wohl anders, als von vielen gedacht. Wenn auch vielleicht für jeden, der schon mal 10 Minuten im Internet verbracht hat, nicht überraschend. Für die Form der Kritik bekamen sie nämlich viel herbe Schelte aus der Kollegenschaft. Und Beifall von jenem rechten Rand und jener Verschwörungsblase, an denen die meisten Künstler zumeist nicht anstreifen wollen. Was natürlich einerseits unfair ist. Kunst und Kultur sind von den Pandemiemaßnahmen übermäßig stark betroffen – und haben das anfangs auch derart streng geäußert, dass in Österreich sogar eine Kulturstaatssekretärin gehen musste. Zuletzt aber wich dieser Zorn einer für die Kultur untypischen Resignation. Es ist ruhig in einer Branche, die immens leidet – und deren Stärke es nicht gerade ist, den Mund zu halten. Es ist eigentlich ein Wunder, dass nicht viel mehr Protest kommt. Aber nur eigentlich, wie #allesdichtmachen nun exemplarisch zeigt. Denn Kritik ist dort, wo sie nicht so traumverloren ist wie bei den Verschwörungsgläubigen, nur dann wertvoll, wenn sie Alternativen benennt. Und nicht nur, wie hier, in eine ohnehin aufgeraute, wundgeriebene Gesellschaft mit Ironie hineintritt, ohne Besseres zu bieten zu haben.
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