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16. Okt. 15:34

"Das Konzert" in der Josefstadt: Der hauptberufliche Mann

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Kritik: Starke Schauspielleistungen in mutloser Inszenierung eines aus der Zeit gefallenen Stücks. 2015 zeigte das Akademietheater Hermann Bahrs „Das Konzert“ – und schon damals wurde diskutiert, ob man dieses Stück überhaupt noch zeigen kann. Das gilt fünf Jahre und eine  „MeToo“-Debatte später umso mehr. In der Akademie wurde damals wenigstens versucht,  die schon sehr streng riechende Komödie ironisch zu brechen. Das Theater in der Josefstadt zeigt jetzt eine geschmeidige, aber in Wahrheit  weitgehend mut- und gedankenlose Version. In „Das Konzert“ – jetzt auch schon 111 Jahre alt –  sind Frauen entweder kreischende, sich willig zu Boden werfende Gänschen oder „weise“ duldende Ehefrauen – jedenfalls dem Hormonspiegel des Mannes hilflos ausgeliefertes Beutegut, mit dem man, je nach Alter, entweder gerne das Bett oder den Gugelhupf teilt. Der hauptberufliche Mann wiederum muss sexuelle Feldzüge veranstalten, bis den Armen endlich das Alter von diesem Zwang erlöst. Das Theater in der Josefstadt bzw. sein Hausregisseur Janusz Kica lässt das tatsächlich so spielen, ohne den geringsten Versuch, diese heute lächerlich wirkenden Behauptungen in irgendeiner Form als lächerlich zu entlarven. In der Josefstadt dauern die Fünfziger-Jahre auch schon 70 Jahre. Im Mittelpunkt von  „Das Konzert“ steht eine paradoxe Intervention: Der berühmte Pianist Gustav Heink ersteigt mit seiner neuesten Eroberung Delfine Jura eine Berghütte, um dort auch die Dame zu erklimmen. Die betrogenen Partner reisen ihnen hinterher, um ihnen zum Schein einen Ehepartnertausch anzubieten, was die Seitenspringer rasch zur Räson bringt: Aus dem Ausnahmezustand Alltag zu machen, fühlt sich nicht sehr verlockend an. Noch einmal sei betont: Es gibt keinen guten Grund, dieses aus der Zeit gefallene Stück noch zu spielen – es sei denn, man lässt es auf die Realität von heute prallen.
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