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13. Sep. 10:00

Kralicek geht essen: Deutsches Essen

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Wir geben es ungern zu, aber es gibt schon ein paar Dinge, um die wir unsere deutschen Nachbarn beneiden. Nur ihr Essen ist den Deutschen niemand neidig. Wir geben es ungern zu, aber es gibt schon ein paar Dinge, um die wir unsere deutschen Nachbarn beneiden. Deutsche Autos zum Beispiel, oder die deutsche Bundesliga. Unsere Liebe zu deutschen Kraftfahrzeugen konnten nicht einmal die Abgas- Tricks des VW-Konzerns nachhaltig trüben; und wenn wir unsere besten Kicker sehen wollen, müssen wir deutsche Bundesliga schauen (während in der österreichischen Bundesliga halbwüchsige deutsche Talente Spielpraxis sammeln). Auch der Deutsche Schäferhund, die Deutsche Grammophon oder die deutschen Klassiker haben in Österreich treue Fangemeinden; sogar dem deutschen Wein (Riesling!) wird mit Respekt begegnet. Nur ihr Essen ist den Deutschen niemand neidig. Das ist jetzt natürlich ein primitives Ressentiment, das Fans der deutschen Küche bestimmt leicht widerlegen könnten. Das Problem ist nur: Zumindest außerhalb Deutschlands gibt es praktisch keine Fans der deutschen Küche. Wer nach Italien oder Frankreich reist, tut das nicht zuletzt wegen des Essens. Auch der Urlaub in Griechenland, Kroatien oder Spanien ist mit bestimmten kulinarischen Geschmackserlebnissen verbunden. Aber niemand fährt zum Essen nach Deutschland. Nicht selten scheitert es ja schon daran, dass man es gar nicht findet, das deutsche Essen. Anders als bei uns, wo es an jeder zweiten Ecke ein Beisl gibt, sind vergleichbare Lokale in vielen deutschen Städten kaum präsent. In Deutschland geht man zum Italiener, zum Griechen, zum Asiaten oder ins argentinische Steakhaus. Fast hat es den Anschein, als würden sich nicht einmal die Deutschen selbst sonderlich für deutsches Essen interessieren. Vielleicht liegt es ja auch an den Namen. Wenn ich an deutsche Küche denke, fällt mir als Erstes der „Stramme Max“ ein – und der hört sich mehr nach Faustschlag als nach Essen an. Auch „Königsberger Klopse“ oder „Pfälzer Saumagen“ klingt nicht sonderlich appetitlich. Der Pfälzer Saumagen hat es übrigens deshalb zu überregionaler Bekanntheit gebracht, weil er die Leibspeise von Helmut Kohl war, und angeblich soll er wirklich gut schmecken. Gekostet habe ich trotzdem noch nie einen, ich wüsste auch gar nicht, wo man den – außerhalb der Pfalz – überhaupt kriegt. Es gibt aber schon auch deutsche Gerichte, die ich tatsächlich probiert habe. In Bremen aß ich einmal – noch so ein lustiger Name – „Labskaus“, angeblich ein altes norddeutsches Seefahreressen. Labskaus besteht aus Rindsfaschiertem, gestampften Kartoffeln, Rollmops, roten Rüben und Spiegelei – eine wilde, witzige Mischung. In Frankfurt habe ich, glaube ich, einmal grüne Sauce gegessen, aber daran kann ich mich nicht mehr erinnern, weil das Hauptgericht an dem Abend „Äbbelwoi“ (Apfelwein) war. Na ja, und in München führt mich mein erster Weg stets in die Gaststätte „Zum Dürnbräu“, wo ich immer gebackene Milzwurst mit Kartoffelsalat bestelle, eine bayerische Spezialität, könnte aber auch von uns sein. Grundsätzlich merkt man beim Essen am deutlichsten, dass Bayern in mancher Hinsicht Österreich näher ist als dem Rest von Deutschland. So gesehen, ist das dort gar kein deutsches Essen. Nach dem Essen, wenn Kaffee offeriert wird, ist jedenfalls noch einmal höchste Vorsicht geboten: Es könnte „deutscher Kaffee“ gemeint sein.
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