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Kurz vor dem Zusammenbruch greift der Libanon zu harten Mitteln13. Jan. 5:00

Kurz vor dem Zusammenbruch greift der Libanon zu harten Mitteln

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Die Bürger dürfen für elf Tage ihr Haus nicht verlassen, Supermärkte schließen, doch es herrscht Skepsis. Elf Tage totale Ausgangssperre, geschlossene Supermärkte, alles von der Armee überwacht. Der Libanon greift ab Donnerstag zu drastischen Maßnahmen, um das Coronavirus unter Kontrolle zu bekommen. Mehr als 5.000 Neuinfektionen bei rund sechs Millionen Einwohnern vermeldete das Land in den vergangenen Tagen. Ein Grund für die explodierenden Zahlen dürften die Lockerungen um Weihnachten und Silvester gewesen sein: Um die marode Wirtschaft zu unterstützen, durften unter anderem Restaurants und Bars wieder öffnen. Man setzte auf die Heimkehrer aus der libanesischen Diaspora, die über die Feiertage ihre Familien besuchten. Bei den schätzungsweise 14 Millionen Auslandslibanesen erwartete sich die Regierung einen Geldsegen in der Gastronomie. Doch vor allem brachten die Besucher auch das Virus mit. Bereits vergangenen Donnerstag waren die Infektionszahlen so stark angestiegen, dass die Regierung einen neuen Lockdown verkünden musste, mittlerweile gilt der Gesundheitsnotstand. Mehr als 81 Prozent der Intensivbetten im Land sind belegt, in Beirut sind es sogar mehr als 91 Prozent. Dr. Joseph Al-Helou, Chef der Direktion für Medizinische Versorgung, richtete sich in einem Video an die Öffentlichkeit: „Ich habe noch nie geweint, aber das ist unerträglich“, sagte er und berichtete von Patienten, die 24 Stunden auf ein Krankenbett warten müssen. Während die medizinische Versorgung vor dem Zusammenbruch steht, ist die wirtschaftliche Situation nur noch ein Trümmerhaufen. Mehr als die Hälfte der Libanesen lebt in Armut, daran dürfte auch das 40-Millionen-Euro-Hilfspaket nichts ändern, das die Regierung für bedürftige Familien schnüren will. „Ein großer Teil dieses Geldes wird einfach verschwinden, so wie es immer ist“, sagt Amar, ein libanesischer Reiseveranstalter, zum KURIER. Auch bezweifelt er, dass der harte Lockdown fernab der städtischen Zentren ernstgenommen werde: „Es mag hart klingen, aber viele Libanesen haben größere Probleme als das Virus, nämlich ihre Existenz.“ Während die Supermärkte schließen, würden etwa Bauern ihre Nahrungsmittel weiterhin anbieten. „Davon bin ich überzeugt“, sagt Amar. Zu all den Krisen gesellt sich auch ein politischer Notstand: Nach wie vor regiert Hassan Diab, der nach der verheerenden Explosion im August seinen Rücktritt erklärte. Sein Vorgänger und designierter Nachfolger, Saad Hariri, wird von einigen Parteien blockiert.
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