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Lustig, skurril, emotional: Die peinlichsten Oscar-Reden aller Zeiten26. Apr. 15:45

Lustig, skurril, emotional: Die peinlichsten Oscar-Reden aller Zeiten

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Beim Gewinn des Oscars lassen sich manche Preisträger von der Größe des Moments überwältigen. Das Ergebnis: entgleisende Szenen voller Schluchzen, Stammeln, Hysterie - und Fremdschämen. Wer das Wort ergreift, zieht alle Blicke auf sich. Einer spricht, die anderen schweigen. Alle spitzen die Ohren. Jetzt zählt, was man zu sagen hat. Gleich, ob bei der Hochzeitsfeier, im Meeting - oder bei der Oscar-Verleihung. Die einen probieren besonders witzig zu sein, andere lassen sich von der Emotionalität des Moments fortreißen, immer gilt: Eine Rede wirft ein Schlaglicht auf unsere Persönlichkeit oder zumindest das Bild, das andere sich von uns machen. Im Falle der Academy Awards wird das ergriffene Wort bei der Entgegennahme des Goldbuben auch noch von Millionen Menschen rund um den Erdball beobachtet. Was die Sache nicht einfacher macht. Nicht selten wirkt die Rede sich gar auf Wohl und Wehe von Karrieren aus.  Anthony Hopkins hat diese delikate Situation heuer elegant ausgebremst, indem er sie einfach ignoriert hat. Nominiert war er für seine darstellerische Leistung als Demenzkranker in "The Father". Angereist zur Corona-bedingt reduzierten Preisverleihung nach Los Angeles ist Hopkins, der seit Kurzem wieder in seiner Heimat Wales lebt, nicht. Nicht nur das. Er ist nicht einmal aufgeblieben, um der Entscheidung entgegenzufiebern. Hopkins hat sie schlicht verschlafen. Als er mit 83 Jahren zum ältesten Oscar-Gewinner der Kategorie Bester Hauptdarsteller gekürt wurde, lag er im Bett. Sein Agent rief ihn um vier Uhr morgens an, um ihm die frohe Kunde beizubringen. Mittlerweile hat Hopkins sich via Instagram-Video zu Wort gemeldet. Guten Morgen aus seiner Heimat, er sei dankbar, der Gewinn käme unerwartet, er gedenke seinem verstorbenen Mit-Nominierten Chadwick Boseman, und noch einmal Danke: britisches Understatement, ein kühler Kopf und klare Worte - mehr Coolness, mehr unbeeindruckt-sein geht nicht.  Das gelang nicht allen seiner Kollegen. Öfter wird es dramatisch, peinlich, rührend oder schlicht skurril. Die Oscar-Rede von Gwyneth Paltrow 1999 wird allgemein als zum Fremdschämen betrachtet. Schon beim Gang zu den Stiegen begann ihr die Gesichtsmuskulatur zu versagen, einen Oscar gewinnt man eben nicht alle Tage. Jack Nicholson übergab Paltrow für "Shakespeare in Love" den Preis. Dann folgte eine extrem weinerliche Rede, mit zitterndem Stimmchen und gerötetem Gesicht, die am Ende in schluchzende Danksagungen überging. Weil echte Tränen fehlten wurde Paltrow auch nachgesagt, sie habe geschauspielert. Heute soll ihr die Rede peinlich sein und sie möchte nicht daran erinnert werden.  Auch nicht an sich halten konnte Halle Berry. Sie wurde 2002 für "Monster's Ball" mit der Statuette ausgezeichnet. Als erste afro-amerikanische Schauspielerin überhaupt. Berry zeigte sich enorm bewegt. Die Freude über den historischen Moment mündete in hemmungsloses Schluchzen. 1985 war Sally Field höchst emotionalisiert. Ihre Rede zum Gewinn ihres zweiten Oscars für "Ein Platz im Herzen" wurde legendär. "Nichts mehr wollte ich, als euren Respekt", ließ sie das Saalpublikum wissen, und: "Ich kann nicht mehr leugnen, dass ihr mich mögt! Genau in diesem Moment: Ihr mögt ihr mich!" Ein Seelenstrip, der oft parodiert wurde. Hintergrund: Bei ihrem ersten Oscar verbat sich die verletzliche und öfter mit Zurückweisungen konfrontierte Schauspielerin, den Siegesmoment zu genießen. Beim zweiten Sieg versprach sie sich das Gegenteil.  Enorm lustig und skurril wurde es, als Roberto Benigni den Auslandsoscar für "Das Leben ist schön" gewann. Völlig aus dem Häuschen erklomm der Italiener die rot besamteten Sesselreihen und ließ sich feiern. Die Treppe zur Bühne hüpfte er wie ein Hase hinauf. Enthusiasmiert und überschwänglich bedankte er sich in einem gestenreichen Wortschwall der Begeisterung und Freude.  Nicht fassen konnte es auch Cuba Gooding jr. 1997 sammelte er jede Menge Sympathie-Punkte, als er seinem Highschool-Sweetheart über Tom Cruise bis Gott seine Liebe erklärte und in einem Crescendo der Begeisterung seine Rede mit Luftsprüngen abschloss.  Doch man kann auch Sympathien verspielen. James Cameron gelang das 1998, als er für "Titanic" gewann. Anfangs ging alles in eine gute Richtung - zwar etwas langweilig, aber immerhin: Der Regisseur sprach allen Beteiligten seinen Dank aus, mit denen er diesen Preis teilen wolle. Doch am Ende scheiterte er: "Ich bin der König der Welt!" riss er (in Anlehnung an seinen Film) die Arme empor und brach in wildes Gejohle aus. Der Einfall wurde als höchst selbstverliebt wahrgenommen. Tom Hanks, ein anderer Hollywood-Gigant, wiederum tappte voll ins Fettnäpfchen. Als er für seine Rolle als an Aids erkrankter Homosexueller in "Philadelphia" ausgezeichnet wurde, ließ er aufhorchen: Hanks sprach seinem Highschool-Lehrer sowie einem Schulfreund seinen Dank aus und nannte sie "zwei der besten schwulen Amerikaner". Der Haken dabei: Das Outing der beiden Herren stand zu jenem Zeitpunkt noch aus. Der Zwischenfall inspirierte übrigens den Film "In & out" mit Kevin Kline und Tom Selleck.  Immer wieder politisch wird es beim Oscar sowieso. Nicht nur bei Marlon Brando, der seinen Goldbuben 1973 gar nicht selbst abholte und stattdessen die Aktivistin (und Schauspielerin) Sacheen Littlefeather zur Preisveranstaltung schickte, die für ihn in ihrer Rede auf die Unterdrückung der Rechte der amerikanischen Ureinwohner hinwies. Auch andere nutzten die Bühne für Botschaften: Schauspielerin Vanessa Redgrave hielt 1978 eine propalästinensische Rede, Doku-Regisseur Michael Moore ließ 2003 die Welt wissen: "Shame on you, Mister Bush!" Jared Leto wiederum widmete seinen Preis allen Aids-Toten, Leonardo diCaprio machte auf den Klimawandel aufmerksam. Joaquin Phoenix sorgte im Vorjahr für einen emotionalen Moment, als für "Joker" gewann: In seiner Rede thematisierte er eindringlich Natur- und Tierschutz und appellierte an die Zuseher für einen besseren Umgang mit der Erde, erinnerte zugleich an seinen an einer Überdosis verstorbenen Bruder River.  Anderen Preisträgern sind derartige Emotionalität oder eindringliche Botschaften dagegen fremd. Gut möglich aber auch, dass sie der kurzen Redezeit damit Tribut zollen. Sie gestalteten ihre Dankesworte jedenfalls kurz und knackig. Als Alfred Hitchcock 1968 einen Ehren-Oscar erhielt, war seine Rede mit Spannung erwartet worden. Würde sie voll bissiger Häme werden, die Rache eines Verschmähten? Für Meisterwerke wie etwa "Psycho" war er insgesamt sechsmal nominiert worden, den Preis bekommen hatte er nie. "Hitch" ließ sich allerdings nicht verleiten. Staatstragend schritt er zu pompöser Musik zum Mikrophon. Er sagte genau ein Wort: "Danke." Dann schritt er wieder hinaus. 
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